IMG_2134.JPG

Auf die Jugend ausgerichtet

Swissmem Berufsbildung Veranstaltungen Journée Swissmem 2024: Ganz auf die Jugend ausgerichtet

Wie können wir Schülerinnen und Schüler für die Tech-Industrie gewinnen? Und wie bleiben wir als Branche erfolgreich im Spiel? Der Journée Swissmem 2024 legte den Fokus auf die Gewinnung von Lernenden. Wie der Tag im Forum in Fribourg aufzeigte, braucht es dafür den Austausch auf Augenhöhe zwischen den Generationen.

Der Hockeyclub Fribourg-Gotteron reitet derzeit auf einer Erfolgswelle. In der Tabelle liegt man ganz vorne, die meisten Spiele sind ausverkauft. Einen ähnlichen Ansturm kann die berufliche Grundbildung in der Tech-Industrie derzeit nicht verzeichnen. Die Gewinnung von Nachwuchskräften erweist sich oft als schwierig, zudem lässt die demografische Entwicklung nicht auf eine rasche Entspannung hoffen. Vielleicht gerade aus diesem Grund erlebte die Veranstaltung vom 25. Januar 2024 einen hohen Zuspruch. Mit 230 Teilnhemerinnen und Teilnehmern war die Veranstaltung ausverkauft.

In seinem Begrüssungsreferat machte Staatsrat Olivier Curty, Volkswirtschafts- und Berufsbildungsdirektor des Kantons Freiburg, deutlich, wie stark die Arbeitswelt derzeit im Wandel ist. Er wagte den Blick in eine Zukunft, in welcher flexibles Arbeiten und heterogene Karrierewege selbstverständlich sind, Weiterbildungen laufend erfolgen und die künstliche Intelligenz natürlich in den Arbeitsprozess integriert ist. Dies alles fordert die Ausbildungsbetriebe und verlangt in den kommenden Jahren eine Anpassung an neue Arbeits- und Lebenswelten.

Die Industrie und ihre Ausbildungen sichtbar und erlebbar machen

Fabrice Plomb, Sozialwissenschafter und Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg, griff in seinem Referat diese neue fragmentierte Welt auf. Verliefen in der Vergangenheit die Bildungskarriere und der Weg in die Erwachsenenwelt oft linear, sind sie heute und in Zukunft oft gekennzeichnet durch einen Zickzackkurs. Dieser kennt immer wieder mal ein seitliches Ausscheren in neue Berufsfelder, aber auch ein spiralförmiges Wiederanknüpfen an Wissensinhalte, die bereits einmal erkundet worden sind.

Mit Blick auf die Tech-Industrie erkannte er diverse Herausforderungen. So ist diese in einer konsumorientierten Welt für die breitere Bevölkerung immer weniger sichtbar. Zudem wird Technik verstärkt in Form polierter Oberflächen wahrgenommen, während Aspekte wie die Produktion sowie die Funktionsweise neuer Technologien zunehmend in den Hintergrund rücken. Als mögliche Handlungsfelder skizzierte er die folgenden Punkte:

  • Den Schülerinnen und Schülern sollte über Experimente und Mini-Projekte ein interaktiver Zugang zu Technik gewährt werden. Dies gerade auch, weil Zuhause oft weniger Möglichkeiten bestehen, sich vertieft und kreativ mit Technik auseinander zu setzen.  
  • Berufe sollten nicht bloss als Informationseinheiten erklärt werden. Vielmehr sind sie erlebbar zu machen sowie persönlich und auf Augenhöhe – möglichst durch Lernende – zu vermitteln, damit Schülerinnen und Schüler sie mit möglichen Vorbildern verknüpfen können.
  • Die Wissensvermittlung in der Technikförderung sowie in den Berufslehren sollte nicht nur als Topdown-Methode erfolgen, bei welcher Erwachsene ihre Kenntnisse und Erfahrungen weitergeben. Vielmehr sollte ein aktiver Austausch mit den Jugendlichen etabliert werden. Dabei tragen auch die Lernenden zum Wissensaufbau bei oder übernehmen in einigen Themen gar den Lead.
  • Im Sinne eines vertieften Lernens sollte Technik neu erschlossen und angeeignet werden. Dabei wechselt die Perspektive von der reinen Anwendungs- und Konsumentensicht auf eine grundlegendere Ebene, bei welcher Technik ganz generell als Mittel für Problemlösungen betrachtet wird.

Offenes Mikrofon für die Jugendlichen

Das Bild von Jugendlichen, die weniger motiviert und engagiert sind als frühere Generationen, wurde im folgenden Podium auf den Kopf gestellt. Vier Lernende machten mit ihren Aussagen deutlich, dass die Berufsbildung auch in Zukunft ihre Stärken haben wird. Im Vergleich zu rein schulischen Bildungswegen ermöglicht sie ihnen, rascher auf eigenen Beinen zu stehen, Dinge in die Hand zu nehmen und Neues zu schaffen, in einem bereichernden Austausch mit Kunden und anderen Mitarbeitenden zu stehen – und zusätzlich viele Bildungswege offen zu haben.

Wie sie in ihren Statements erläuterten, erforderte ihr persönlicher Weg in die Berufsbildung immer wieder Durchsetzungsvermögen. So mussten sie Einschätzungen von Eltern, Eignungstests oder auch von Lehrpersonen beiseiteschieben, um ihren eigenen Weg zu finden.

Für die Lernerfahrung und Motivation in der Berufslehre wiesen sie auf die Bedeutung der Ausbildnerinnen und Ausbildner hin. Macht es «Klick» zwischen den Generationen, so können diese  auch schon mal zu einem «Super-Hero» werden, welcher Jugendlichen ganz neue Perspektiven öffnet und sie ihr individuelles Potenzial erst entdecken lässt.

Die Kooperation und den Austausch fördern

Das nachfolgende Podium mit Vertreterinnen und Vertretern der Berufsorientierung sowie von Verbänden und Ausbildungsbetrieben machte deutlich, wie vielschichtig der Weg von der Interessenserkundung und Selbstfindung der Schülerinnen und Schüler bis hin zur Wahl eines Berufsfeldes ist. Gerade im Austausch zwischen Schulen, Berufsberatungen und Unternehmen ist derzeit noch Potenzial zu erkennen. Dabei sollte eine verstärkte Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren nicht bloss informationsorientiert laufen, sondern reale Erfahrungen ermöglichen. Ein verstärktes Augenmerk ist zudem darauf zu legen, dass vermehrt auch Frauen technische Berufe in Erwägung ziehen und Stereotypen in der Berufswahl aufgebrochen werden.

Kultur bestimmt Wirtschaft

Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, griff in seinem Referat Diskussionspunkte des vorangehenden Podiums auf und verwies unter anderem auf die gesellschaftliche Bedeutung der Berufsbildung. Ihr Wert müsse gerade auch gegenüber Eltern aus Kulturkreisen, welche mit unserem Bildungssystem nicht vertraut sind, aufgezeigt werden, so Brupbacher. Zudem sei es wichtig, die Zukunft positiv anzugehen. Wie historische Studien zur langfristigen Wirtschaftsentwicklung aufzeigten, bestimme die Kultur weitgehend die Entwicklungswege. Eine kritische Haltung gegenüber Innovation und ein vorherrschender Skeptizismus äusserten sich so auch in einer wirtschaftlichen Stagnation. Gerade daher mache es auch Sinn, auf die Jugend zu setzen und sich für sie zu engagieren.

Initiativen stärken die Nachwuchsförderung

Die interaktiven Ateliers waren dieses Jahr den Nachwuchsförderungs-Initiativen «Faszination Technik» sowie «6h de Fribourg» gewidmet. Um die Initiative «Faszination Technik» auf eine solide Basis zu stellen, hatten die beiden Verbände Swissmechanic und Swissmem in der gleichen Woche einen Träger-Verein gegründet. In den kommenden Jahren soll die Initiative zu einer vielfältigen Plattform für das Berufsmarketing in der Tech-Industrie weiterentwickelt werden. Im Rahmen des Ateliers wurden erste Umsetzungsschritte in digitalen Kanälen diskutiert und Kooperationsmöglichkeiten aufgezeigt (PPT Workshop).

Das Programm «6h de Fribourg» zeigte seinerseits auf, wie Jugendliche teamorientiert neue Kompetenzen aufbauen können und zu Spitzenleistungen animiert werden können. Mit ihrem Wasserstoffauto hatte es ein Freiburger Team bis an die Weltmeisterschaften geschafft und dort den 6. Platz erreicht. Die Initiative zeigt eindrücklich auf, wie durch eine Kooperation zwischen Wirtschaft (in diesem Fall die Handels- und Industriekammer Freiburg) und Bildung (Berufsfachschule Technik Freiburg) die Entwicklung der Jugendlichen gefördert werden kann.

Aktuelles aus der Berufsbildung

Thomas Schumacher, Leiter Swissmem Berufsbildung, ging in seinem Referat auf neue Entwicklungen in der Nachwuchsförderung ein, die von der Primarstufe bis zu Angeboten nach der Berufslehre reichen. Es sind dies:

  • MINT-Vaud: Neue interaktive Erlebnismesse für Schülerinnen und Schüler im Alter von 8 – 12 Jahren. Das Programm sensibilisiert Schülerinnen und Schüler für die Welt der Technik und bietet die Gelegenheit, selbst Hand anzulegen.
    Datum: 26.2. – 3. März 2024
    Weiterführende Informationen:
    www.mint-vaud.ch
  • Technikunterricht: Didaktische Materialien für den Technikunterricht auf der Primarstufe.
    Weiterführende Informationen. www.explore-it.org
  • Berufsmarketing: Mit der Gründung des Vereins «Faszination Technik» haben Swissmem und Swissmechanic ihr gemeinsames Engagement bekräftigt und die Basis für weitere Marketingmassnahmen gelegt.
    Weiterführende Informationen. www.faszination-technik.ch
  • Berufsrevision Futuremem: Die Revision der technischen Berufe in der Tech-Industrie stellt derzeit das grösste Projekt dieser Art in der beruflichen Grundbildung in der Schweiz dar. Weiterführende Informationen. www.futuremem.swiss
  • MovMEM: Das Projekt ermöglicht es Lernenden und Lehrabgängern, während oder im Anschluss an die Lehre erste Erfahrungen in einem fremdsprachigen Arbeitsumfeld zu sammeln. Sei dies mit movMEM national in der Schweiz oder im Ausland mit movMEM international.
    Weiterführende Informationen. www.swissmem-berufsbildung.ch/movmem

Enthusiasmus ins Berufsleben mitnehmen

Einen Einblick in seine erfolgreiche Karriere, vom ambitionierten Nachwuchstalent bis zum erfolgreichen Teamleader, bot am Schluss des Tages Julien Sprunger. Der Captain des EHC Fribourg-Gottéron schilderte eindrücklich, wie er als Jugendlicher gezielt gefördert und seine Leidenschaft für Hockey mit einer Sportlerlehre kombinieren konnte. Die Herausforderungen, die sich Teams in der Welt des Sports stellen, sind für ihn durchaus vergleichbar mit jenen, welche in der Wirtschaft anzutreffen sind. Er kann sich daher in Zukunft einen verstärkten Austausch mit Unternehmen vorstellen. Fürs Erste geht es aber darum, im Spiel vorne dabei zu bleiben und die Meisterschaft anzuvisieren.

Save-the-Date 2025: Zu Gast im Kanton Neuenburg

Den Puck aus der Diskussion nahm abschliessend Olivier Habegger, Verantwortlicher Swissmem Berufsbildung Romandie, auf. Er spielte ihn mit Verweis auf den kommenden Journée Swissmem den Besucherinnen und Besuchern weiter. Im Kalender zu vermerken ist:

  • Journée Swissmem 2025: 24. Januar 2025, Neuchâtel

War dieser Artikel lesenswert?

Letzte Aktualisierung: 26.01.2024