Die Studie wurde von der ETH ZĂŒrich in Auftrag gegeben und durch gfs.bern durchgefĂŒhrt. Befragt wurden die Bevölkerung sowie Fachpersonen aus Bildung, Politik und Wirtschaft. Ziel war es, ein umfassendes Bild der Wahrnehmung von MINT in der Schweiz zu erhalten.
Die Bedeutung von MINT fĂŒr Wohlstand und Innovation
Die Untersuchung zeigt drei zentrale Erkenntnisse
InnovationsfÀhigkeit im Vordergrund
Der höchste Wert wird der Bedeutung von MINT fĂŒr die Innovationskraft der Schweiz zugeschrieben. Sie erreicht einen Mittelwert von 8.4. Etwas tiefer, aber weiterhin sehr hoch, liegen die Werte fĂŒr die Wirtschaft und fĂŒr die BewĂ€ltigung globaler Herausforderungen. Beide liegen bei 8.0.
Kollektive Relevanz ĂŒber persönlicher Relevanz
Die Wichtigkeit von MINT fĂŒr den Alltag und das eigene Berufsleben wird am niedrigsten eingeschĂ€tzt. Beide Werte liegen bei 6.1. Der Nutzen wird damit vor allem auf nationaler Ebene angesiedelt, wĂ€hrend der persönliche Mehrwert fĂŒr viele Menschen unklar bleibt.
Hohe Zustimmung zur Rolle der Wissenschaft
Weitgehend unbestritten ist die Bedeutung der Wissenschaft fĂŒr die InnovationsfĂ€higkeit. 88 Prozent der Bevölkerung sehen hier eine grosse Rolle.
Ein weiterer SchlĂŒsselfaktor trĂ€gt zu diesem geringen persönlichen Bezug bei. Nur rund ein Drittel der Bevölkerung kennt den Begriff MINT. Die Bekanntheit hĂ€ngt stark vom Bildungsstand, von der Sprache, vom Elternhaus und vom Wohnort ab. Dadurch entstehen deutliche Unterschiede im VerstĂ€ndnis und in der Wahrnehmung des Themenfeldes.
Ungleichheiten in der Selbstwahrnehmung
Stereotype prÀgen weiterhin die EinschÀtzung eigener FÀhigkeiten. MÀnner bewerten ihre Kompetenzen in allen vier MINT-Bereichen im Durchschnitt höher als Frauen. Besonders gross ist die Differenz im Bereich Technik.
Auch Eltern schÀtzen die FÀhigkeiten ihrer Söhne systematisch höher ein als jene ihrer Töchter, vor allem in Mathematik und Technik. Viele Frauen empfinden MINT-Ausbildungen zudem als mÀnnerdominiert. Fast zwei Drittel finden, dass es zu wenige weibliche Vorbilder gibt.
Berufswahl-Hemmnisse
Viele Frauen empfinden MINT-Ausbildungen und -Berufe als mÀnnerdominiert. 57 Prozent sehen sie als Bereiche mit starkem MÀnneranteil. Fast zwei Drittel der Frauen finden zudem, dass es zu wenige weibliche Vorbilder gibt.
Praxisbeispiel aus der Berufsbildung
Das Regionale Ausbildungszentrum Au zeigt, dass gezielte Nachwuchsförderung messbare Resultate bringt. Das Zentrum erreicht einen Frauenanteil von 50 Prozent bei den Polymechaniker-Lernenden. Dieser Wert liegt deutlich ĂŒber dem Schweizer Durchschnitt und macht sichtbar, wie ein praxisnahes Umfeld und weibliche Vorbilder die Berufswahl beeinflussen können.
Aktuelles Signal aus der Bildungsforschung
Eine kĂŒrzlich veröffentlichte Mitteilung des Eidgenössischen Departements fĂŒr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) zeigt, dass das Thema auch in der Bildungsforschung stark im Fokus steht. Ausgezeichnet wurden Arbeiten, die zeigen, wie persönliche PrĂ€ferenzen und subjektive Einstellungen die Bildungs- und Berufswahlentscheidungen beeinflussen. Die Erkenntnisse unterstreichen, wie wichtig Wahrnehmung, Umfeld und persönliche Einordnung fĂŒr den Einstieg in die Berufsbildung sind.
Quelle: Schweizer Preis fĂŒr Bildungsforschung 2025 geht an zwei Arbeiten zum Einfluss von PrĂ€ferenzen bei Bildungs- und Rekrutierungsentscheiden
Eidgenössisches Departement fĂŒr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), Schweizer Preis fĂŒr Bildungsforschung 2025.
Wege in die Zukunft: FrĂŒhförderung, Praxis und Image
Die befragten Fachpersonen sehen in der frĂŒhzeitigen Förderung von Kindern und Jugendlichen den stĂ€rksten Hebel zur langfristigen FachkrĂ€ftesicherung. Der Fokus liegt klar auf der BildungsqualitĂ€t sowie nachhaltigen Strukturen. Kurzfristige Massnahmen auf dem Arbeitsmarkt werden als weniger wirksam betrachtet.
Konkrete Ansatzpunkte der Studie
Mehr PraxisnÀhe und Alltagsbezug
Der schulische MINT-Unterricht wird gemischt beurteilt. HĂ€ufig genannt werden der Wunsch nach mehr Praxisbezug, stĂ€rkeren AlltagsbezĂŒgen und spielerischen Lernformen. FĂŒr Personen mit einem Lehrabschluss ist der Praxisbezug besonders wichtig.
Abbau von Klischees und sichtbare Vorbilder
Viele verbinden MINT-Berufe mit hohen Anforderungen und mÀnnerdominierten Arbeitsumgebungen. Kommunikationsmassnahmen sollten diese Vorstellungen korrigieren und Aspekte wie Teamarbeit, KreativitÀt und gesellschaftlichen Nutzen hervorheben. Sichtbare weibliche Vorbilder sind dabei ein zentraler Faktor.
Lehrpersonen als SchlĂŒsselfaktor
Lehrpersonen und Hochschulen werden als wichtigste Akteure der MINT-Förderung genannt. Sie benötigen gute UnterstĂŒtzung und Weiterbildungsmöglichkeiten, damit ein praxisnaher und differenzierter Unterricht gelingt.
Fazit fĂŒr die Tech-Industrie
Die Entscheidung fĂŒr einen MINT-Beruf wird vor allem durch persönliche Interessen und StĂ€rken beeinflusst. Um diese Interessen zu fördern, mĂŒssen MINT-Themen stĂ€rker als persönlicher Mehrwert vermittelt werden. Jugendliche brauchen konkrete praktische Erfahrungen, die ihnen zeigen, wie vielfĂ€ltig technische Berufe sein können.
FĂŒr die Tech-Industrie bedeutet dies, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben weiter auszubauen. Dadurch lĂ€sst sich nicht nur das Wissen um die wirtschaftliche Bedeutung stĂ€rken, sondern vor allem das individuelle Interesse junger Menschen fördern.
Angebote von Swissmem
Swissmem engagiert sich seit vielen Jahren fĂŒr die Förderung von MINT-Kompetenzen und arbeitet mit Unternehmen, Schulen und Partnerorganisationen zusammen. Mit der Kampagne Faszination Technik macht Swissmem gemeinsam mit Swissmechanic Jugendliche auf technische Berufe aufmerksam und zeigt ihnen in Workshops, Schulbesuchen und Wettbewerben, wie spannend Mechanik, Automation, Konstruktion oder Informatik sein können.
Ein weiterer Schwerpunkt ist FUTUREMEM. Die Reform der technischen Grundbildungen modernisiert LehrplÀne, stÀrkt digitale Kompetenzen und stellt sicher, dass Ausbildungsinhalte zur Industrie von morgen passen.
FĂŒr leistungsstarke Nachwuchstalente bietet Swissmem das Programm Future Techleaders an. Es ermöglicht eine zweijĂ€hrige praxisnahe Weiterbildung und bereitet junge FachkrĂ€fte auf anspruchsvolle Aufgaben in Engineering, Produktion und Innovation vor.
ErgĂ€nzt werden diese Angebote durch AktivitĂ€ten von Swissmem-Berufsbildung. Dazu gehören Bildungsmedien, digitale Lernumgebungen sowie weitere UnterstĂŒtzungsangebote fĂŒr Betriebe und Berufsbildner/-innen. Mit diesen Initiativen stĂ€rkt Swissmem die technische Ausbildung in der Schweiz und trĂ€gt dazu bei, den Nachwuchs fĂŒr MINT-Berufe zu begeistern und die langfristige WettbewerbsfĂ€higkeit der Tech-Industrie zu sichern.