«Die Dringlichkeit hat zugenommen» :: Swissmem Berufsbildung - Engagiert für den Nachwuchs

«Die Dringlichkeit hat zugenommen»

Von: Jonas Lang, Ressortleiter Kommunikation

01.12.18

Der Fachkräftemangel in MINT-Berufen hat in den letzten Monaten wieder markant zugenommen. Gemäss Christoph Abplanalp, Hauptreferent des Basisseminars «Employer Branding & Recruiting» sind die Unternehmen zunehmend gefordert. Einerseits gilt es, genügend Nachwuchs auszubilden. Andererseits sollten die die Möglichkeiten im Recruiting ausgeschöpft und Beziehungen zu potenziellen Fachkräften aufgebaut werden.

Christoph Abplanalp, wie nehmen Sie die aktuelle Situation im Recruiting war?

Bei vielen Unternehmen hat sich der Leidensdruck erhöht. Es fällt ihnen zunehmend schwer, Fachkräfte für gewisse Profile zu finden. Zudem öffnet sich die Schere zwischen Grossunternehmen und KMU. Während grössere Betriebe viel ins Employer Branding und ins Recruiting investieren, haben kleiner Unternehmen Mühe, das Thema strukturiert anzugehen. Dabei haben auch KMU durchaus Stärken, die sie auf dem Arbeitsmarkt ausspielen können.

 

Was raten Sie den Unternehmen?

Wichtig ist, dass die Firmen die jetzige Situation ehrlich analysieren und sich Gedanken machen, wie sie sich positionieren möchten. Dabei sollten sie den Mut haben, sich durch ein spezielles, möglichst einzigartiges Arbeitgeberversprechen aus der grauen Masse abzuheben. Erst auf dieser Basis können danach Prioritäten gesetzt und die geeigneten Instrumente gewählt werden. Zudem darf das Thema nicht einseitig an die Personalabteilung delegiert werden. Die Unternehmensleitung muss dahinter stehen und auch die Linie muss in den Prozess miteinbezogen werden.

 

In welche Richtung entwickelt sich das Recruiting?

Es genügt heute nicht mehr, eine Stelle auszuschreiben und zu hoffen, dass sich die richtigen Personen melden. Die Gewinnung von Fachkräften beginnt lange vor der Veröffentlichung einer Vakanz. Einerseits muss die Arbeitgebermarke gezielt aufgebaut und gepflegt werden, andererseits gilt es, potenziellen Fachkräfte zu identifizieren und zu kontaktieren. Das Recruiting entwickelt sich – zumindest für gewisse Profile – vermehrt von einem Prozess, den man temporär abarbeitet, zu einer permanenten Beziehungspflege.

 

Ist modernes Employer Branding & Recruiting mit hohen Kosten verbunden?

Wenn sich Unternehmen vertieft mit dem Thema auseinandersetzen möchten, so erfordert dies nicht unbedingt viel Geld, sicherlich aber etwas Zeit. Stellt man dies jedoch in Beziehung zu den Kosten einer unbesetzten Stelle oder eines langen Suchprozesses, so ist der Aufwand rasch aufgewogen. Mit einem geeigneten Controlling lässt sich nachweisen, dass sich die Investitionen lohnen.

 


Kursangebot:

Swissmem bietet am 22. März 2019 das Basisseminar «Employer Branding & Recruiting» an. Es ist primär auf industrielle KMU ausgerichtet und vermittelt Tools und praxisorientiertes Wissen zum Thema. Weitere Informationen

 


Erhöhter Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel hat in der Schweiz in den vergangen Monaten erneut zugenommen. Dies zeigen der Fachkräftemangel Index der Adecco Gruppe Schweiz und der Stellenmarkt-Monitor der Universität Zürich von Ende November 2018. Besonders betroffen sind die Berufe der MEM-Branche. Sie sind im Index in den vordersten Rängen zu finden und verzeichneten teilweise einen markanten Anstieg des Indexes.

 

 

Fachkräftemangel Ranking ‚Grösse‘ Gesamtschweiz 2018

Rang 2018

Rang 2017

Entwicklung 2017 - 2018

Ingenieursberufe

1

1

+

Treuhandwesen

2

2

=

Techniker/innen

3

4

+

Berufe der Informatik

4

5

++

Humanmedizin und Pharmazie

5

3

=

Technische Fachkräfte

6

9

+

Berufe des Rechtswesens

7

7

=

Technische Zeichenberufe

8

6

=

Berufe der Chemie- und Kunststoffverfahren

9

8

=

Berufe der Metallverarbeitung und des Maschinenbaus

10

18

+++

 

Quelle: Fachkräftemangel Index Schweiz, Nov. 2018, Adecco group

 

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