Journée Swissmem 2017 - Rückblick :: Swissmem Berufsbildung - Engagiert für den Nachwuchs

Journée Swissmem 2017: Industrie 4.0 und die Auswirkungen auf die Berufsbildung

Die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren unsere Arbeitwelt zunehmend verändern. Doch wie wirkt sich Industrie 4.0 auf die Berufsbildung aus? Dieser Frage ging Ende Januar der Journée Swissmem nach. Die Microcity in Neuchâtel bot ein inspirierendes Umfeld, um einen Blick in die Zukunft zu werfen.

 

«Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen», besagt ein chinesisches Sprichwort. Auf welcher Seite die Industrie steht, wurde am Journée Swissmem klar ersichtlich. Sowohl Arthur Glättli, Leiter Swissmem Berufsbildung, als auch Monika Maire-Hefti, Bildungsministerin des Kantons Neuenburg, betonten in ihren Eröffnungsworten, dass die digitale Veränderung für die Schweiz eine willkommene Chance bietet. Dies bedeutet nicht, dass über die Jahre herangewachsene Qualitäten, welche den hiesigen Industriestandort auszeichnen, gleich über Bord geworfen werden müssen. Vielmehr gilt es, diese weiter zu pflegen und mit neuen Ideen und Konzepten zu kombinieren.

Foyer Microcity
Monika Maire-Hefti
Christophe Bugnon
Arthur Glättli

Eine solche Reise in die digitale Zukunft ist stets auch mit Ungewissenheiten verbunden. Humorvoll kommentierte dies der Komiker Christophe Bugnon, der aus dem Jahr 2047 «angereist» war und mit seinen Einlagen während des Tages immer wieder für Lacher sorgte. Anschaulich brachte es seinerseits Elmar Mock auf Punkt, der einst die Swatch miterfunden hat und mit Blick auf seine über 100 Patentanmeldungen getrost auch als Serien-Erfinder bezeichnet werden kann.

 

Zu Beginn seines Referats servierte Mock Spaghetti. Der Suchprozess am Anfang einer neuen Innovation ist mit Irrungen, Wirrungen und verschlungenen Wegen verbunden, die einem Teigwarenknäuel vergleichbar sind. Erst in späteren Entwicklungsphasen zeigen sich klare Linien ab, die schliesslich zur Serienproduktion und Vermarktung eines neuen Produkts führen können.

 

 «Man muss ins Leere springen - und hoffen, dass einem Flügel wachsen.»

 

Als genauso entscheidend wie die fachlichen Fähigkeiten erachtet Mock die Grundhaltung, die man gegenüber Neuem einnimmt. «Man muss ins Leere springen - und hoffen, dass einem Flügel wachsen», erklärte Mock. Er plädierte dafür, dass die Jugendlichen in der Berufsbildung daher auch an Innovationsprozesse herangeführt werden und sich die Bildung nicht auf rein fachliche Aspekte konzentriert.  

 

Für den Erfolg eines Unternehmens ist gemäss Mock aber letztlich die Mischung entscheidend. Neben explorativen Fähigkeiten, die oft in einem interdisziplinären Umfeld zum Tragen kommen, sind auch   Qualitäten in der Umsetzung und eine gewisse Offenheit gegenüber unternehmerischen Risiken gefragt.

 

«Ideen müssen fliegen können», so Mock. Die Schweiz bietet dafür grundsätzlich ein gutes Umfeld. Denn Unternehmen suchen sich laut Mock für Flugversuche oft ein sicheres Umfeld. Gute unternehmerische Rahmenbedingungen und ein stabiles politisches Umfeld haben die Schweiz in der Vergangenheit ausgezeichnet. Es gilt, dies auch für die Zukunft zu sichern.

Elmar Mock mit Lernenden
Philippe Cordonier
Podiumsdiskussion
Mittagessen

Der Überblick zu Industrie 4.0 von Philippe Cordonier, Leiter Swissmem Suisse Romande, zeigte wie die nachfolgende Podiumsdiskussion die Vielschichtigkeit des Themas eindrücklich auf. Felix Arrieta, CEO von Mikron SA, stand dafür ein, dass die Berufsbildung mit dem technologischen Wandel keineswegs an Bedeutung verlieren würde. Im Gegenteil: In seinem Unternehmen sei sie neu integraler Bestandteil der Strategie und ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Pierre Dillenbourg, Professor für Learning Technologies an der EPFL, mahnte davor, sich auf Lippenbekenntnisse zu beschränken. Die Entwicklungen müssten bereits in der Grundschule aufgenommen und angewendet werden.

Cédric Bassin, Direktor des Berufsbildungszentrums CPLN-ET und Philippe Grize, Direktor der Hochschule HEArc zeigten sich veränderunsfreudig, während Peter Dietrich, Direktor Swissmem, sich Pioniergeist wünschte. Die Schweiz habe immer wieder bahnbrechende Innovationen hervorgebracht. Er hoffe, dass dies auch in Zukunft der Fall sein werde.

 

Im nachfolgenden Swissmem-Block zeichnete Peter Dietrich ein Bild der aktuellen Herausforderungen und knüpfte bei den Rahmenbedingungen, wie sie bereits Elmar Mock geschildert hatte, an. Unternehmen bräuchten ein Umfeld, dass Planungsicherheit bietet und Investitionen fördert, so Dietrich. Beides biete die Unternehmenssteuerreform III. Im Interesse der Unternehmen plädierte er daher entschieden für ein JA zur Abstimmungsvorlage.

 

Olivier Habegger, Verantwortlicher für die Berufsbildung in der Romandie, konzentrierte sich in seiner Präsentation auf zwei Themen, die mit der Digitalisierung in Zusammenhang stehen und eine hohe Aktualität aufweisen. Einerseits verwies er auf die neuen E-Books von Swissmem, die ganz neue Formen des Lernens ermöglichen. Andererseits brachte er das Projekt GPS näher. Dieses modernisiert die ISO-Normen grundlegend, was zu Veränderungen in vielen Arbeitsbereichen führen wird.

Jean-Nat Karakash
Atelier zu moocs
Atelier mit Lernenden
Atelier mit Lernenden der Mikron SA
Atelier zu E-Learning
Lernender, Mikron SA
Lernende in Atelier
 

Nach einem Begrüssungswort von Jean-Nat Karakash, Wirtschaftminister des Kantons Neuenburg, war der Nachmittag interaktiven Ateliers gewidmet. Im Rahmen von drei Workshops konnten Einblicke in aktuelle Themen der Berufsbildung gewonnen werden.

 

A.  Wie sieht die Ausbildungen in den MEM-Berufen in Zukunft aus?

B.  Sind Moocs passend für die berufliche Bildung?

C.  Wie geht ein Unternehmen das Thema Industrie 4.0 an?

     Präsentation

 

Den Abschluss bildete schliessliche eine Präsentation von zwei Labors der Microcity.

Sie bildet einen wichtiges Zentrum der Innovation in der Schweiz - und war der ideale Standort für die rund 200 Besucher aus der Welt der Berufsbildung, um sich Inspiration zu holen, um den Wind der Veränderung produktiv zu nutzen.

Anbei finden Sie die Präsentationen vom Journée Swissmem 2017 zum downloaden.

Neuchâtel

(c) Alain Herzog EPFL

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Olivier Habegger

Chef de projet

 

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